Ecstasy

Zwi­schen Sicht­bar­keit und Ekstase

Ecsta­sy unter­sucht die Trans­for­ma­ti­on por­no­gra­fi­scher Bil­der durch foto­gra­fi­sche Zeit. Aus­gangs­punkt der Arbeit sind Sze­nen aus digi­ta­len Por­no­fil­men, die nicht als Motiv über­nom­men, son­dern durch einen foto­gra­fi­schen Pro­zess ihrer ursprüng­li­chen Funk­ti­on ent­zo­gen wer­den. Die Sequen­zen wer­den nicht als Ein­zel­bild betrach­tet, son­dern über eine Belich­tungs­zeit von meh­re­ren Sekun­den direkt vom Com­pu­ter­bild­schirm foto­gra­fiert. Wäh­rend die­ser Zeit über­la­gern sich Hun­der­te auf­ein­an­der­fol­gen­de Film­frames zu einer ein­zi­gen foto­gra­fi­schen Auf­nah­me. In einem anschlie­ßen­den digi­ta­len Bear­bei­tungs­pro­zess wer­den die Bil­der wei­ter redu­ziert und ver­frem­det. Das Ergeb­nis sind Foto­gra­fien, in denen die ursprüng­li­che Bild­in­for­ma­ti­on nahe­zu voll­stän­dig ver­schwin­det. Kör­per lösen sich in Farb­fel­der auf, Bewe­gun­gen wer­den zu flie­ßen­den Struk­tu­ren, räum­li­che Bezie­hun­gen ver­lie­ren ihre Ein­deu­tig­keit. Was bleibt, ist kei­ne Dar­stel­lung sexu­el­ler Hand­lun­gen, son­dern eine Spur ihrer zeit­li­chen und emo­tio­na­len Inten­si­tät. Die Bil­der erin­nern eher an male­ri­sche Farb­räu­me oder Aqua­rel­le als an foto­gra­fi­sche Abbilder.

Die Arbeit ver­steht Por­no­gra­fie nicht aus­schließ­lich als gesell­schaft­li­ches oder mora­li­sches Phä­no­men, son­dern als Extrem­form foto­gra­fi­scher Sicht­bar­keit. Das por­no­gra­fi­sche Bild ver­folgt das Ide­al maxi­ma­ler visu­el­ler Evi­denz: höchs­te Auf­lö­sung, voll­stän­di­ge Aus­leuch­tung und eine nahe­zu lücken­lo­se Sicht­bar­keit des Kör­pers. Es pro­du­ziert den Ein­druck unmit­tel­ba­rer Prä­senz und bean­sprucht, Sexua­li­tät voll­stän­dig abbil­den zu kön­nen.
Dabei bleibt jedoch ein wesent­li­cher Aspekt sexu­el­ler Erfah­rung unsicht­bar. Das Erle­ben von Lust, Eksta­se und Inti­mi­tät ist ein inne­rer, sub­jek­ti­ver Zustand, der sich einer rein visu­el­len Dar­stel­lung ent­zieht. Wäh­rend Por­no­gra­fie den Blick kon­se­quent auf den Kör­per und sei­ne äuße­re Sicht­bar­keit rich­tet, wird die eigent­li­che Inten­si­tät sexu­el­ler Erfah­rung nicht durch das Sicht­ba­re bestimmt, son­dern durch ein indi­vi­du­el­les, emo­tio­na­les und kör­per­li­ches Emp­fin­den. Zwi­schen dem äußer­lich Gezeig­ten und dem inner­lich Erleb­ten besteht daher eine grund­sätz­li­che Dif­fe­renz.
Ecsta­sy setzt die­sem Anspruch eine Stra­te­gie der Ent­schär­fung ent­ge­gen. Durch die Lang­zeit­be­lich­tung wird die foto­gra­fi­sche Funk­ti­on der Detail­wie­der­ga­be auf­ge­ho­ben. Die Kame­ra regis­triert nicht mehr den ein­zel­nen Moment, son­dern die Dau­er. Dadurch ver­schiebt sich die Auf­merk­sam­keit vom Gegen­stand der Dar­stel­lung auf den Pro­zess sei­ner Wahr­neh­mung. Das foto­gra­fi­sche Bild ver­liert sei­ne doku­men­ta­ri­sche Les­bar­keit und wird zu einer Auf­zeich­nung von Zeit, Licht und Bewe­gung. Gera­de in die­ser Auf­lö­sung des Kon­kre­ten öff­net sich ein Raum für das, was sich foto­gra­fisch nicht unmit­tel­bar zei­gen lässt: die sub­jek­ti­ve Erfah­rung von Nähe, Erre­gung und Eksta­se. Die Bil­der bil­den Sexua­li­tät nicht ab, son­dern ver­wei­sen auf ihre emo­tio­na­le und zeit­li­che Dimen­si­on – auf ein Erle­ben, das sich der Ein­deu­tig­keit des por­no­gra­fi­schen Bil­des entzieht.